Luis Castro gewinnt die "Regenschlacht" von Köln

Luis Castro gewinnt die „Regenschlacht“ von Köln

 

Lange hatte es danach ausgesehen, als ob die Sommerausgabe des Kölner Hochsprung Meetings in diesem Jahr ausfallen muss. Drei Stunden vor dem geplanten Beginn öffnete der Himmel seine Schleusen und verwandelte das NetCologne-Stadion an der Deutschen Sporthochschule Köln mit sintflutartigem Dauerregen in eine Seenplatte. Lange Gesichter bei Veranstalter Dr. Wolfgang Ritzdorf und den angereisten Springern und Trainern. Pünktlich um 17 Uhr stoppte der Regen aber und nach einer ersten Bestandsaufnahme war schnell klar, dass man zumindest den Versuch unternehmen will, für annehmbare Bedingungen zu sorgen und den Wettkampfbereich vom Wasser zu räumen.

 

Was dann passierte war sowohl ein Beleg für funktionierendes Teamwork, als auch für das Improvisationstalent aller Beteiligten und den Willen doch noch optimale Bedingungen zu schaffen. Wann sonst sieht man schon einmal internationale Spitzenhochspringer, Trainer, Veranstalter und etliche Helfer barfuß und mit Besen bewaffnet große Wassermassen in einem Stadion beseitigen. Was zunächst als Versuch gestartet war, entpuppte sich schnell als richtige Entscheidung und so konnte das KHM mit einer 60-minütigen Verspätung an den Start gehen. Der Wettergott zeigte sich gnädig, die Anlage trocknete ab und bot letztlich gute Bedingungen. Die größte Überraschung aber waren die Zuschauer. Es war voll, alle waren da, eine Stunde später als geplant, aber alle waren da.

 

„Eigentlich hätte man das Meeting nur absagen können. Aber Springer aus 12 Nationen waren da und wollten unbedingt springen. Und dann haben alle mitgezogen. Technik, Kampfgericht, Studierende. Das war schon beeindruckend“, äußert sich Wolfgang Ritzdorf zur überraschenden Wende nach dem Unwetter,

 

Jetzt stand einem spannenden Wettkampf nichts mehr im Weg. Lokalmatador Justin Klandermann vom LT DSHS Köln eröffnete mit einem Sprung über 2,00m die Konkurrenz und schnell ging es über 2,10m und 2,15m für die meisten Springer bis auf 2,20m. Lediglich vier Springer scheiterten früher. Dennoch erwiesen sich die 2,24m als größte Hürde an diesem Abend. Nur Nauraj Singh, Luis Castro, Edgar Rivera und Gianmarco Tamberi meisterten diese Höhe und versuchten sich an 2,28m, die an diesem Abend gleichzeitig als Qualifikationsnorm für die WM in London reichen sollten, da bislang erst 17 Springer die eigentliche Norm von 2,30m erfüllt hatten.

 

Ohne Druck schritten Nauraj Singh und Edgar Rivera zur Tat. Beide hatten die Norm für London bereits früher unter Dach und Fach gebracht. Nach ungültigen Versuchen von Singh und Rivera floppte Luis Castro direkt im ersten Versuch über die 2,28m und sorgte für großen Jubel unter den Zuschauern und bei seinem Coach Wolfgang Ritzdorf. Nun lag der Druck nur noch bei Gianmarco Tamberi, der im ersten Versuch noch knapp riss, sich selbst aber im zweiten Versuch für die Geduld belohnte und die Fahrkarte in die britische Hauptstadt löste. Weitere Sprünge von Singh und Rivera über 2,28m folgten, aber lediglich der Mexikaner behielt die Nerven und sprang im dritten Versuch zur nächsten Höhe: 2,30m. Dort war dann aber für alle Springer Endstation und ein denkwürdiger Abend ging mit einem positiven Ausgang zu Ende.

 

 „Der Verlauf des Wettkampfs hat für alle Mühen entschädigt. Und erstaunlicherweise waren auch noch so viele Zuschauer da. Als Trainer hat mich natürlich besonders gefreut, dass nach Edgar Rivera jetzt auch Luis Castro de facto die Quali für London geschafft hat“, resümierte ein sichtlich erleichterter Wolfgang Ritzdorf nach dem Meeting.

 

Ergebnis // Kölner Hochsprung Meeting 2017 // SommerEdition

 

  1. Luis Castro // PUR // 2,28m        
  2. Gianmarco Tamberi // ITA // 2,28m
  3. Edgar Rivera // MEX // 2,28m
  4. Nauraj Singh // MAS // 2,24m
  5. Ricky Robertson // USA // 2,20m
  6. Falk Wendrich // GER // 2,20m
  7. Allan Smith // GBR // 2,20m
  8. Douwe Amels // NED // 2,20m  
  9. Jamal Wilson // BAH // 2,20m
  10. Kabelo Kgosiemang // BOT // 2,15m
  11. Fernand Djoumessi // CMR // 2,10m
  12. Martin Günther // GER // 2,10m
  13. Justin Klandermann // GER // 2,05m

 

Foto: Rainer Busch